isi DIGITAL Preisträger 2026
Mittelschule, Platz 1

Schulart
Mittelschule
Schulname
Pestalozzi-Mittelschule Regensburg
Zusammenfassung
Systematische Öffnung von Lernräumen – Verbindung von Draußenschule und selbstgesteuertem Lernen
Im Zentrum steht ein pädagogisches Gesamtkonzept, das Lernen sowohl in realen Lebenszusammenhängen (Draußenschule) als auch in offenen, selbstgesteuerten Lernsettings im Schulgebäude systematisch ermöglicht. Ziel ist es, unter den Bedingungen einer heterogenen Schülerschaft Bildung nicht vorauszusetzen, sondern durch erfahrungsbasiertes, differenziertes und eigenverantwortliches Lernen zugänglich zu machen. Beide Entwicklungslinien sind aufeinander bezogen und werden kontinuierlich weiterentwickelt.
Kurzbeschreibung
Die Pestalozzi Mittelschule Regensburg reagiert mit ihrem Konzept auf die heterogenen Lern- und Lebensvoraussetzungen ihrer Schülerschaft, von der ein Großteil mit nicht-deutscher Herkunftssprache und eingeschränkten Bildungs- und Erfahrungsräumen aufwächst.
Dazu wurden zwei zentrale Entwicklungslinien aufgebaut, die sich ergänzen und zunehmend verzahnen. Die Draußenschule ist bereits fest im Schulalltag verankert und eröffnet Lernen in realen Lebenszusammenhängen. An regelmäßig stattfindenden Draußentagen arbeiten die Schülerinnen und Schüler in Natur, Kultur, Technik und Gesellschaft, machen konkrete Erfahrungen, erleben Selbstwirksamkeit und erschließen sich Inhalte handlungsorientiert. Diese Erfahrungen werden im Unterricht aufgegriffen, reflektiert und fachlich vertieft, wodurch Motivation, Sprachentwicklung und fachliches Verständnis nachhaltig gefördert werden.
Parallel dazu wurde der schulische Lernraum grundlegend weiterentwickelt. Durch die Verbindung verschiedener Lernraumkonzepte entstand ein offenes, binnendifferenziertes Lernsetting. Räumliche und inhaltliche Wahlmöglichkeiten, Wochenplanarbeit sowie Lernmappen mit klaren Lernzielen ermöglichen individuelle Lernwege im eigenen Tempo. Die Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung für ihren Lernprozess, wählen Arbeitsformen und Gelingensnachweise selbst und lernen, ihre Arbeit zu reflektieren und zu verbessern. Lehrkräfte begleiten diesen Prozess zunehmend als Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter.
Beide Entwicklungslinien folgen derselben pädagogischen Zielsetzung: Lernen erfahrungsbasiert, differenziert und eigenverantwortlich zu gestalten. Während die Draußenschule bereits jahrgangsübergreifend etabliert ist, wird das offene Lernkonzept schrittweise auf weitere Jahrgangsstufen ausgeweitet. Das Gesamtkonzept ist modular aufgebaut, wird kontinuierlich evaluiert und weiterentwickelt und lässt sich auf andere schulische Kontexte übertragen.
Zielsetzung
Die Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, ihr Lernen zunehmend selbst zu steuern, Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen und ihre individuellen Potenziale zu entfalten. Fachliche Kompetenzen in zentralen Bereichen wie Mathematik und Deutsch werden ebenso gezielt aufgebaut wie überfachliche Kompetenzen, insbesondere Selbstständigkeit, Problemlösungsfähigkeit, Kooperation und Kommunikationsfähigkeit.
Ein zentrales Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler Lernen als sinnvoll und wirksam erleben. Sie sollen erfahren, dass ihr eigenes Handeln einen Unterschied macht, und dadurch Selbstwirksamkeit entwickeln. Gleichzeitig werden sie darin unterstützt, respektvoll, verantwortungsvoll und kooperativ in einer vielfältigen Gemeinschaft zu handeln und aktiv an gesellschaftlichen Prozessen teilzuhaben.
Langfristig zielt das Konzept darauf, Lernen im schulischen und außerschulischen Raum stärker miteinander zu verzahnen und eine nachhaltige, übertragbare Form von Schulentwicklung zu etablieren.
Einbettung in Schulentwicklungsprozess
Der Schulentwicklungsprozess an der Pestalozzi Mittelschule Regensburg ist schrittweise, praxisorientiert und langfristig angelegt.
Ausgangspunkt war die Einführung der Draußenschule, die seit 2019 jahrgangsübergreifend umgesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt wird.
Parallel dazu wurde der schulische Lernraum ab dem Schuljahr 2025/26 gezielt geöffnet und neu strukturiert.
Die Entwicklung erfolgte Etappen: Erprobung in einer Pilot-Jahrgangsstufe, kollegiale Abstimmung in einem Stufenteam, kontinuierliche Evaluation sowie Anpassung der Konzepte. Auf dieser Grundlage werden erfolgreiche Bausteine gesichert, miteinander verbunden und schrittweise auf folgende Jahrgangsstufen übertragen.
Zentrale Instrumente der Weiterentwicklung sind regelmäßige Teamabsprachen, Feedback der Schülerinnen und Schüler sowie die gemeinsame Reflexion im Kollegium. Ergänzt wird der Prozess durch externe Impulse und Netzwerkarbeit.
Aktuell liegt der Schwerpunkt auf der weiteren Ausweitung der offenen Lernsettings sowie der stärkeren Verzahnung mit der Draußenschule. Langfristig ist das Ziel, beide Entwicklungslinien systematisch zusammenzuführen und als verbindlichen Bestandteil der gesamten Schulentwicklung zu etablieren.
Praxistipps zur Umsetzung / Voraussetzungen
Die Umsetzung des Konzepts erfordert weniger konkrete einzelne Maßnahmen als ein klares pädagogisches Grundverständnis und ein schrittweises, konsistentes Vorgehen. Zentral ist ein gemeinsames Leitbild im Kollegium, das Lernen als aktiven, selbstverantwortlichen und erfahrungsbasierten Prozess versteht.
Aufbauend auf diesem Leitbild ist ein iteratives Vorgehen empfehlenswert: Neue Elemente werden zunächst in einzelnen Klassen oder Jahrgangsstufen erprobt, im Team reflektiert und auf dieser Grundlage weiterentwickelt. Kleine, funktionierende Schritte sind nachhaltiger als umfassende Reformen auf einmal. Regelmäßige Teamabsprachen und verbindliche Strukturen sind dabei entscheidend.
Die Draußenschule erfordert verlässliche Zeitfenster, Kooperation mit außerschulischen Partnern sowie organisatorische Planung.
Entscheidend ist die Verknüpfung mit dem Unterricht durch gezielte Vor- und Nachbereitung, damit Erfahrungen fachlich anschlussfähig werden.
Für offene Lernsettings braucht es klare organisatorische Rahmenbedingungen: transparente Lernziele, geeignete Materialien (z. B. Lernmappen), verlässliche Zeitstrukturen sowie eine bewusste Gestaltung der Lernräume. Gleichzeitig müssen Schülerinnen und Schüler schrittweise an selbstständiges Arbeiten herangeführt werden; Selbststeuerung entsteht nicht automatisch.
Wesentlich für die Nachhaltigkeit ist eine kontinuierliche Evaluation, die Einbindung der Schülerinnen und Schüler sowie die Bereitschaft, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
Materialien
Broschüre und Video zum Konzept „Systematische Öffnung von Lernräumen – Verbindung von Draußenschule und selbstgesteuertem Lernen“:
Informationen zur Schule
Kontakt
Stiftung Bildungspakt Bayern
Geschäftsstelle:
c/o Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus
Jungfernturmstraße 1
80333 München
Tel.: 089 2186-2091
Fax: 089 2186-2833
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