isi DIGITAL Preisträger 2026
Förderschule, Platz 2

Schulart
Förderschule
Schulname
Heinrich-Sinz-Schule, SFZ Ichenhausen
Zusammenfassung
Berufsspezifisches Nachmittagsprojekt
Das berufsspezifische Nachmittagsprojekt ermöglicht Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine praxisnahe und interessengeleitete Berufsorientierung in berufsbezogenen Projektgruppen. Durch die Verbindung von Praxis- und Kompetenzorientierung sowie Lernortkooperation mit Betrieben werden berufliche Schlüsselkompetenzen systematisch entdeckt und aufgebaut. Das Projekt stärkt Selbstwirksamkeit, Selbstbewusstsein sowie Ausbildungsreife und ist nachhaltig im Schulentwicklungsprozess verankert.
Kurzbeschreibung
Das berufsspezifische Nachmittagsprojekt schafft einen innovativen Lernraum, in dem Berufsorientierung nicht als Zusatzangebot, sondern als integraler Bestandteil schulischer Bildung gestaltet wird. Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 9 arbeiten jahrgangsübergreifend in festen, interessengeleiteten Projektgruppenwie Holz und Metall, Gartenbau und Raumausstattung, Kinderpflege, Verkauf und Lager, Hauswirtschaft und Lebenspraxis sowie Maler- und Lackiererhandwerk. Durch authentische Arbeitsaufträge, praktische Erprobungsphasen und realitätsnahe Lernsettings erleben die Lernenden berufliche Anforderungen unmittelbar und setzen sich aktiv mit eigenen Interessen, Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten auseinander.
Innovativ ist insbesondere die systematische Verbindung von individueller Förderung, beruflicher Praxis und kompetenzorientierter Entwicklungsbegleitung. In Kooperation mit regionalen Betrieben und beruflichen Schulen wurden berufsspezifische Kompetenzprofile entwickelt, die Anforderungen verschiedener Berufsfelder transparent machen und den Schülerinnen und Schülern Orientierung für ihre persönliche Weiterentwicklung geben. Fachliche Fähigkeiten werden dabei ebenso angebahnt wie zentrale Schlüsselkompetenzen, wie z. B. Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, Durchhaltevermögen, Verantwortungsbewusstsein und Selbstorganisation.
Durch konkrete Erprobungsräume, feste Projektgruppen und transparente Kompetenzprofile schafft das Konzept Orientierung, macht berufliche Möglichkeiten erfahrbar und unterstützt die Entwicklung realistischer Zukunftsperspektiven. Damit wird Berufsorientierung nicht nur vorbereitet, sondern als individueller Entwicklungsprozess begleitet.
Im Projekt erfolgt Lernen praxisbezogen, produktorientiert und in enger Verzahnung von Handlung, Reflexion und individueller Zielplanung. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten in kleinen Arbeitsgruppen an realen Aufträgen, wie beispielsweise der Herstellung von Weihnachtsdekoration für den Adventsbasar. Alle Gruppen leisten hierzu einen individuellen Beitrag.
Kleine Lerngruppen, multiprofessionelle Zusammenarbeit und feste Austauschstrukturen im Oberstufenteam ermöglichen eine passgenaue Begleitung der Schülerinnen und Schüler. Dadurch entsteht ein inklusiv ausgerichteter Lernraum, der an den individuellen Voraussetzungen der Lernenden ansetzt und Übergänge in Praktikum, Ausbildung oder weiterführende Bildung gezielt vorbereitet.
Gleichzeitig besitzt das Konzept Modellcharakter für Schulentwicklung. Berufsorientierung wird als kontinuierlicher, teamgetragener Prozess verstanden und strukturell im Schulprofil verankert. Die Verbindung aus modularer Projektstruktur, externen Kooperationen und Kompetenzprofilarbeit macht das Konzept skalierbar und auf andere Schulen übertragbar. Das Nachmittagsprojekt verbindet damit innovative Lernräume, nachhaltige Kooperation und individuelle Zukunftsperspektiven in besonderer Weise.
Zielsetzung
Das berufsspezifische Nachmittagsprojekt verfolgt das zentrale Ziel, Schülerinnen und Schülern frühzeitig und praxisorientiert auf Übergänge in Praktikum, Ausbildung oder weiterführende schulische Angebote vorzubereiten.
Ein zentrales Anliegen ist dabei, Perspektiven zu schaffen und auf die häufige Orientierungslosigkeit vieler Jugendlicher bei der Berufswahl zu reagieren. Gerade Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf fehlt häufig eine konkrete Vorstellung beruflicher Möglichkeiten. Durch interessengeleitete Erprobungsräume und reale Handlungssituationen werden berufliche Optionen erfahrbar gemacht, individuelle Perspektiven entwickelt und Sicherheit in beruflichen Entscheidungsprozessen aufgebaut.
Ein weiteres Ziel ist der systematische Aufbau berufsrelevanter Schlüsselkompetenzen wie Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, Genauigkeit, Ausdauer, Verantwortungsübernahme und Selbstorganisation. Diese Kompetenzen werden nicht isoliert vermittelt, sondern in authentischen beruflichen Handlungskontexten eingeübt und reflektiert, um Ausbildungsreife nachhaltig zu stärken und Übergänge erfolgreich zu gestalten.
Darüber hinaus fördert das Projekt Selbstwirksamkeit, Motivation und Entscheidungssicherheit. Durch Erfolgserlebnisse in praxisnahen Lernsettings erleben sich die Schülerinnen und Schüler als kompetent und handlungsfähig. Zugleich unterstützt das Projekt eine individuelle Anschlussplanung, stärkt realistische Zukunftsvorstellungen und trägt dazu bei, Übergänge aus der Schule bewusst, tragfähig und möglichst selbstbestimmt zu gestalten.
Einbettung in Schulentwicklungsprozess
Anstoß für den Veränderungsprozess und die Idee für unser berufsspezifisches Nachmittagsprojekt gaben Gespräche mit Betrieben und Förderberufsschulen, in denen es neben der beruflichen Orientierungslosigkeit auch um die zunehmend häufigere fehlende Praktikums- und Ausbildungsreife von Jugendlichen ging.
Das berufsspezifische Nachmittagsprojekt ist nicht als Einzelmaßnahme angelegt, sondern in das schulische Gesamtkonzept der Berufs- und Lebensweltorientierung eingebettet und Teil eines längerfristigen Schulentwicklungsprozesses. Bereits in der Mittelstufe werden in praxisnahen Projekten grundlegende Kompetenzen angebahnt, die in der Oberstufe im Nachmittagsprojekt vertieft und systematisch weiterentwickelt werden. Damit entsteht eine durchgängige Entwicklungslinie von früher beruflicher Orientierung bis hin zur konkreten Übergangsvorbereitung.
Die Weiterentwicklung erfolgt teamorientiert und reflexiv durch regelmäßige Austausch- und Abstimmungsprozesse im Oberstufenteam sowie durch Rückmeldungen aus Praktika, von Kooperationspartnern und aus den Erfahrungen der Schülerinnen und Schülern selbst. Diese Rückmeldungen fließen kontinuierlich in die Weiterentwicklung der Projektgruppen, Kompetenzprofile und Lernsettings ein und stärken die Qualität des Konzepts.
Ein wesentlicher Entwicklungsaspekt liegt in der strukturellen Verankerung des Projekts im Schulprofil sowie in der Qualitätssicherung durch die Teilnahme am Schulversuch QmBO. Zugleich stärkt das Projekt Kooperationen mit außerschulischen Partnern und erweitert schulische Lernräume nachhaltig. Perspektivisch sollen bestehende Kooperationen ausgebaut, Kompetenzprofile fortgeschrieben und das Konzept als dauerhaftes Element innovativer Berufsorientierung und schulischer Qualitätsentwicklung weiterentwickelt werden.
Praxistipps zur Umsetzung / Voraussetzungen
Durch den modularen Aufbau, die Verbindung von Praxis, individueller Förderung und Kooperation sowie die Orientierung an Kompetenzprofilen ist das Konzept gut auf andere Schulen und Schularten übertragbar. Gerade diese Skalierbarkeit und Anpassungsfähigkeit machen das Projekt auch für andere Standorte gut umsetzbar.
Empfehlungen:
- Modularer Aufbau und kleinschrittiges Vorgehen
- Klein beginnen und behutsam skalieren
- Kleine Lerngruppen und feste Zuständigkeiten
- Verbindliche Teamstrukturen, die regelmäßig kollaborieren
- Passgenaue Förderung durch enge Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und multiprofessionellen Teams
- Frühzeitige Kooperationen anbahnen und intensive Pflege der Zusammenarbeit
- Verbindliche Verankerung im Stundenplan
- Regelmäßige Reflexionsphasen
Materialien
Informationen zur Schule
Stiftung Bildungspakt Bayern
Geschäftsstelle:
c/o Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus
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Tel.: 089 2186-2091
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